So genannte Querdenker

Immer mehr Menschen auch in Ostfriesland stecken sich mit dem Corona-Virus Covid-19 an und die Intensivstationen der Krankenhäuser laufen langsam voll mit infizierten Schwerstkranken. Aber in Aurich und anderswo gehen an diesem Sonnabend heute wieder so genannte Querdenker auf die Straße und demonstrieren mit Aufmarsch, Plakaten, Reden und Musik gegen geltende Infektionsschutzregeln.

Normalerweise kein Problem. In unserem Staat kann jeder denken und kundtun, was er will. Sei es noch so absurd. Es gibt nur eine Einschränkung: Er muss sich an Gesetze und Verordnungen halten. Das jedoch vermeiden die allermeisten „Querdenker“. Sie melden eine Demo beim zuständigen Ordnungsamt an, dieses genehmigt sie, weil das Versammlungsrecht ein hohes Gut ist.

Gleichzeitig erteilt die Behörde die Auflage, sich an die Regeln zu halten: Masken tragen und Abstand halten. Die Antragsteller, verantwortlich für den ordnungsgemäßen Ablauf der Demo, nicken brav – und anschließend kümmern sie sich einen feuchten Kehricht darum, ob die Teilnehmer eine Maske tragen und Abstand halten.

Polizei und Ordnungsbehörden greifen nicht ein, um Gewalt zu vermeiden. Oberes Ziel: Die Demo soll möglichst friedlich über die Bühne gehen. Die Hüter des Rechtsstaats schauen zu, wie eine Menschenmenge die Vorteile des Rechtsstaats mit kaltem Kalkül ausnutzt und von vornherein Verstöße gutheißt, zumindest stillschweigend in Kauf nimmt.

In Aurich meldet sich gegen die Demo erfreulich Widerstand. Das Motto ist „Aurich trägt Maske. Für mehr Respekt und Solidarität“. Die Gegendemonstranten sind „entsetzt über die Ignoranz der Leugner“. In der Tat ist es geistig grenzwertig, das Corona-Virus als „Hirngespinst“ und Schutzmaßnahmen als „Diktatur“ zu bezeichnen. Aber Kindern versuchen beizubringen, wie man Krankheits-Symptome vortäuscht, um die Schule zu schwänzen und so der verteufelten Maskenpflicht zu entgehen. Das ist nichts anderes als Erziehung zu Lug und Betrug. Zu beobachten in Chat-Foren im Internet.

Bundesweit organisieren diese Leute sich unter der Bewegung „Querdenken 711“, regional unter „Querdenken 494 Ostfriesland“. Der Name deutet auf Querdenken als Denkmethode hin, die es tatsächlich gibt. Ein Merkmal des Querdenkens ist, Informationen und Tatsachen subjektiv zu bewerten und selektiv zu verwenden, also nur das zu beachten, was gerade in den Kram passt. Außerdem erfassen Querdenker die Fakten nicht analytisch, sondern intuitiv. Anders gesagt: Sie wägen eine Sache nicht vom Verstand her ab. Sie lösen nicht das Problem, sondern leugnen es.

Ausflüsse dieser gedanklichen Geisterfahrt sind Verschwörungstheorien oder die feste Meinung, dass eine Atemschutzmaske die bürgerlichen Freiheitsrechte einschränkt und in Deutschland eine Diktatur herrscht.

Die allermeisten Menschen nehmen diesen „Querdenkern“ den zweiten Teil ihres Namens nicht ab, messen höchstens dem ersten eine gewisse Berechtigung zu. Deshalb gehen sie ihnen nicht auf den Leim, sondern halten sich an die Regeln und tragen dazu bei, diese Plage möglichst bald einzudämmen.

„Querdenker“ bieten sich als erstrebenswerte Alternative nicht an. Sie sind leicht zu durchschauen. Man muss kein Virologe oder Epidemie-Fachmann sein, um zu erkennen, dass eine Maske gegen ein hoch ansteckendes und gefährliches Virus besser ist als keine Maske.  

Comments are closed.