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Karl-Heinz Funke - wieder setzt sich ein Politiker mit dem Amt gleich

Politiker verändern nie das Amt, aber das Amt verändert oft Politiker. Sie müssen schon einen starken Charakter haben, sich selbst auch dann noch für normale Menschen zu halten, wenn ihnen andere jahrzehntelang den roten Teppich ausgelegt haben. Wenn sie ihnen die Aktentasche getragen, nach dem Mund geredet, sie überall hin chauffiert, fotografiert, interviewt, auf die Titelseiten der Zeitungen, ins Fernsehen gebracht und den Bauch gepinselt haben. Einer der erfolgreichsten, begabtesten und nettesten ihrer Zunft verlor darüber das rechte Maß und ist jetzt auf den letzten Metern einer langen Karriere gestolpert: Ex-Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke.

Der 63-jährige Sozialdemokrat aus Varel im Landkreis Friesland musste von seinem letzten nennenswerten Amt als Vorsteher des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) zurücktreten. 8000 Euro hatte er aus der Kasse des Wasserverbandes kassiert - für die private Feier seiner Silberhochzeit mit Frau Petra vor zwei Jahren im Kurzentrum „Deichhörn“ in Dangast am Jadebusen.

Das ließen ihm seine Vorstandskollegen nicht durchgehen, nachdem sie es vor wenigen Tagen in der Zeitung gelesen hatten. Funke beruft sich auf einen alten Vorstandsbeschluss, der solche Zuschüsse vorsehe, wenn Geschäftspartner an solchen privaten Feiern teilnehmen. Aber der Vorstand kann bislang kein Papier mit einem solchen Vermerk finden. Funke kapitulierte.

Sein politisches Leben ist damit zu Ende. Es führte ihn hoch hinaus, aber in den letzten Jahren immer weiter in vorher nicht zu ahnende Tiefen. Sehr schade, denn Funke ist – auch wenn es abgeschmackt klingt – ein Vollblutpolitiker. Ein begnadeter Rhetoriker, Unterhalter und sogar Trauerredner. Er ist gebildet, belesen und bibelfest, reich an Zitaten, aber auch an nicht immer stubenreinen Witzen, schlagfertig – und sehr angenehm im Umgang. Er kann mit Menschen umgehen und sie für sich und seine Sache begeistern.

Funke raucht Zigarre, stößt Fürst Bismarck und Pils nicht um und zeigt sich des Etiketts „Bekennender Fleisch- und Wurstesser“ würdig allein durch seine Leibesfülle. Ein Mann aus dem Volk und auch fürs Volk. Ein feiner Kerl. Die Menschen in seiner Heimatstadt Varel und in Friesland mögen/mochten ihn. Sie wählen ihn mit großen Mehrheiten zum Bürgermeister, in den Kreistag und in den Landtag. Gerhard Schröder macht ihn 1990 zum Landwirtschaftsminister in Niedersachsen. Acht Jahre später nimmt er ihn mit in die Bundesregierung. Die beiden verstehen sich. Funke ist  stets loyal zum Chef, und dieser weiß zu schätzen, dass ihm Funke die Bauern und deren Lobby vom Hals hält. Die Bauern wissen: Funke steht auf ihrer Seite. Doch 2001 muss er in Berlin den Sessel räumen, weil ihm Fehler in der BSE-Krise angekreidet werden. Diese Krise ist für Funke keine, und objektiv ist sie es auch nicht gewesen, wie sich längst herausgestellt hat. Nur damals sehen viele Hektiker und Panikmacher die Menschheit an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit dahinsiechen. Schröder muss handeln, und Funke ist sein  Bauernopfer.

Zurück in der Kommunalpolitik erleiden Funke und seine Parteigenossen in Varel in den letzten Jahren einige Debakel. Die SPD verliert nach Abspaltungen die Mehrheit im Stadtrat und Funke sein Amt als Ratsvorsitzender. Vorsteher des Wasserverbandes OOWV ist er gleich nach seiner Demission in Berlin geworden. Ein Amt wie auf ihn zugeschnitten.

Er hätte es noch lange behalten können. Wenn ihm nicht seine Gier die Abteilung „Verstand und Anstand“ im Gehirn verkleistert hätte. Wie immer, wenn Politiker und Manager den Hals nicht voll bekommen können: Nötig hat es keiner. Funke ist Bauer, ehemaliger Studienrat, ehemaliger Landtagsabgeordneter, Ex-Landesminister, Ex-Bundesminister und gut bezahlter Vorsteher eines Wasserverbandes. Er kann eine private Feier locker selbst bezahlen. Wenn es sein muss, auch Geschäftspartner einladen – obwohl man sich fragt, warum ein Mensch Geschäftspartner zur Silberhochzeitsfeier einlädt. Es sei denn, diese sind persönliche Freunde, und dann kommen sie nicht als Geschäftspartner. Oder die Firma lädt Geschäftspartner extra ein, wenn sie es für wichtig hält.

Funke zeigt ein nicht seltenes Missverständnis von einem öffentlichen Amt und ein merkwürdiges Selbstverständnis. Menschen wie er - lange an der Spitze - verlieren die Haftung unter den Füßen. Sie setzen sich mit dem Amt gleich. Ihre immer kleiner werdende Umgebung warnt sie nicht vor Fehlern und rückt sie nicht zurecht, Freunde werden rar, keiner widerspricht, Widerspruch ist auch nicht mehr willkommen, Hybris schleicht sich ein. In der Regel haben Menschen wie Funke auch kein Unrechtsbewusstsein, wenn sie Geld für eine private Feier kassieren. Darauf deutet seine Einlassung hin, dass dies beim OOWV üblich sei. Üblich hin, legal her: Es gehört sich einfach nicht.

 

Der Beitrag wurde am Dienstag, den 22. Dezember 2009 um 20:18 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

 

2 Reaktionen zu “Karl-Heinz Funke - wieder setzt sich ein Politiker mit dem Amt gleich”

  1. Nur einen Fehler gemacht (laufend aktualisiert) » 50hz - Werkstatt für Netzkommunikation Am 23. Dezember 2009 um 20:19 Uhr

    [...] differenzierte fast freundschaftliche und am Ende doch vernichtende Betrachtung zum Abstieg Funkes in vorher nicht zu ahnende Tiefen von Bernhard Fokken in seinen [...]

  2. Rudolf Behrens Am 27. Dezember 2009 um 20:59 Uhr

    Als Herausgeber von http://www.Lust-auf-Dangast.de mit seinem angeschlossenen Gäste- und Lästerbuch http://www.onlinewebservice4.de/gastbuch.php?id=19174 befasse ich mich selbstverständlich auch mit dem Thema KHF (Karl-Heinz Funke / Königliche Hoheit Funke).

    Das kann alles nicht wahr sein, was in seinem Herrschaftsgebiet passiert, deshalt bin ich der Meinung: KARL-HEINZ FUNKE IST IN DER RUBRIK POLITIK DER SATIRIKER DES JAHRES 2009, ausgezeichnet mit 5 Sternen ! Das dürfte in der Vergangenheit seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland wohl bisher nur Franz Josef Strauß geschafft haben.

    Heute morgen, ich surfte so durch’s Internet, fand ich auf einer meiner Lieblingsseiten, nämlich http://www.SchneeSchnee.de vom Karikaturisten Beck, folgenden passende Karikatur vom 22.12.09:

    http://www.schneeschnee.de/art/repository/cartoon/Kraft_Wasser_heulen_1848.gif

    Das war gestern.

    Und dann heute morgen. Das Thema ”Karl-Heinz” ließ mich einfach nicht los:

    Heute ist Marlene Dietrichs Geburtstag - Marlene Dietrich – > Karl-Heinz “seine” Rettung!

    Die Gedanken sind frei, kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschiessen …

    Stellen Sie sich mal vor, “unser Karl-Heinz” tritt am heutigen Sonntag mit folgendem Statement vor die Presse:

    “Ich zitiere Marlene Dietrich, (geb. 27.12.1901, gest. 06.05.1992), dt. Schauspielerin und Chansonette:

    Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen. Aber ein bißchen früher, damit ich mehr davon habe.”

    Dürfte man ihn bei soviel Ehrlichkeit immer noch mit Schimpf und Schande von seinen Posten verjagen und ihm was an’s Zeug flicken wollen? – Ich meine: Nein! – Selten hätten wir dann einen solch ehrlichen Politikter erlebt.

    Rudolf Behrens
    Dünenweg 40
    26316 Varel - Rallenbüschen
    04451 - 83355

    info@BSE-GmbH.de

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