Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Diese Erkenntnis wird wechselweise Winston Churchill, Mark Twain oder Karl Valentin zugeschrieben. Also muss was dran sein.
Drehen wir den Scheinwerfer: Ostfriesland und der Landkreis Leer machten in den vergangenen zehn Jahren einen weiten Satz nach vorne. Nachzulesen in Wirtschafts- und Arbeitsmarktstatistiken. Ein Grund ist, dass Energie nicht mehr unbedingt dort produziert wird, wo die Massen leben, sondern mehr und mehr am Rand, sogar in der Nordsee. Mit der Windkraft entsteht eine Industrie wie für Ostfriesland erdacht. Baden-Württemberg kann eben doch nicht alles, weil den Schwaben der Wind fehlt.
Firmen wie Enercon, Bard, Enova, Prokon-Nord oder auch Logaer Maschinenbau und die kleinen Strommixer aus Jemgum schossen wie Pilze aus dem Boden. Sie sind jung und spüren den Wind im Rücken. Und in Emden mutiert eine Werft zur Windkraftfabrik. Rasant entwickelt hat sich auch die maritime Wirtschaft mit Reedern und ihnen zuarbeitende Dienstleister, selbst wenn ihnen im Moment ein Sturm ins Gesicht weht. Nicht zu vergessen die Meyer-Werft. Ihr sind bald neue Aufträge zu wünschen. Den Aufschwung langfristig stützen wird der Weser-Jade-Port in Wilhelmshaven, der weit ins Land strahlen wird.
Moderne Industrien und Dienstleister, Handel und Handwerk stehen vor der Aufgabe, Fachkräfte zu gewinnen. Bei schrumpfendem Nachwuchs ist das nicht einfach. Das heißt: Die Region muss sich hübsch machen. So hübsch, dass junge Leute nach der Schule hier bleiben und ausgebildet werden oder nach einem Studium heimkehren können. Und dass Menschen von außerhalb sich für Ostfriesland entscheiden.
Erste Voraussetzung dafür: Wir brauchen viele und gute Arbeitsplätze. Aber das reicht nicht. So müssen Frauen, die wieder arbeiten wollen, wenn die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind, eine Chance bekommen. Auffrischung des Wissens und Betreuung für Kinder (oder ältere Angehörige) muss im selben Atemzug genannt werden. Dann die leidige traditionelle Abwanderung schlauer Köpfe: Sie lässt sich nur mit besten Bildungsangeboten und hoher Lebens- und Arbeitsqualität mildern.
Das Ganze muss organisiert werden. Aber statt einen Regionalrat zu gründen, der wenig zu sagen hat, sollte Ostfriesland einen Herkules verpflichten. Weil das nicht geht, bietet sich die projektbezogene Zusammenarbeit zwischen den Landkreisen, der Wachstumsregion Ems-Achse und den niederländischen Nachbarn an. Die Niederländer sehen das übrigens genau so, wie der Kommissar der Königin in Groningen deutlich gemacht hat. Und was ist mit einem Großkreis Ostfriesland ? Völlig irreal. Er bedeutet nichts anderes als jahrelangen Streit und Verschwendung von Kräften, die für wichtige Dinge fehlen würden. Aber wie gesagt. Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.
Der Beitrag wurde am Samstag, den 26. Dezember 2009 um 18:53 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
Eine Reaktion zu “Eine Prognose: Was Schwaben nicht haben”
Vorsicht, dieses Eis ist dünn!
Klima / CO 2 hin oder her: Schon aus Generationen-Fainess sollten wir uns zu Nachhaltigkeit verpflichten und die Fossilreserven schonen. Denn diese sind für viele Industrien wohl auch in den kommenden Jahrhunderten zumindest z.T. unersetzliche Rohstoffe.
Aber Politik und Medien -und schon gar nicht der Souverän, der Bürger- haben das eigentliche Kardinalthema bei der Ressourcenschonung und Energieumstellung bisher richtig begriffen:
Die Unterscheidung in nachhaltige Eneuerbare Energie (NEE) und parasitäre Erneuerbare Energie (PEE). WIND und PV sind PEE und so ohne Zukunft!
Hauptunterschied: NEE kosten nur ca. die Hälfte dessen, was PEE kosten. Und NEE schonen unsere Natur als Lebens-und Erholungsoase.
Bei Interesse nenne ich gern Details und wissenschaftliche Quellen.
Ernst Theobald, Dipl.- Ing.
sekuria@t-online.de
Tel. 06167 912162
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