Prominenz des politischen Berlin und der Bundeswehr, Weggefährten, Mitarbeiter und Freunde standen stramm vor einem Rheiderländer. Zeitweise sogar im Wortsinne. Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg ließ den Bunder Jung’ Reinhold Robbe am Mittwoch mit einer Serenade ehren, einem Teil des Großen Zapfenstreichs. Eine Ehre, die nicht jedem gebührt und nur wenigen zuteil wird.
Rekruten des Berliner Wachbataillons standen Spalier, als Robbe auf einem rotbespannten Podest die Serenade abnahm. Guttenberg und Generalinspekteur Volker Wieker hatten ihn in die Mitte genommen. Das Stabsmusikkorps der Bundeswehr spielte „Von guten Mächten treu und still umgeben“ von Siegfried Fritz, „American Patrol“ von Glenn Miller und Paul Linkes „Berliner Luft“, dann die Nationalhymne.
Robbe nahm den Abschied nach fünf Jahren als Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestags. Guttenberg hatte dazu ins Ministerium eingeladen. Der CSU-Politiker hielt nicht eine der üblichen Routine-Ansprachen, die kaum über das Ablesen von Lebensdaten hinauskommen. Im Gegenteil: Er nahm sich Zeit, die Leistung des Sozialdemokraten politisch und persönlich ausgiebig zu würdigen. Der gegenseitige Respekt war zu spüren und zu hören. Es war eine Laudatio auf Augenhöhe. Guttenberg räumte auch mit dem Vorurteil auf, dass ein Ungedienter wie Ex-Zivi Robbe nicht für das Amt des Wehrbeauftragten geeignet sei. Für den Minister hat er sich deswegen sogar als „Bereicherung der Bundeswehr“ erwiesen.
Der Bunder hat dem lange öffentlich kaum beachteten Amt des Wehrbeauftragten ein Gesicht gegeben. Er hat sich den Respekt der Soldaten erarbeitet, weil er deren Anliegen konsequent vertreten hat. Er hat sie regelmäßig auch in Afghanistan und anderen gefährlichen Einsatzorten besucht und jährlich rund 100 Truppenbesuche gemacht, entgegen alter Gepflogenheit meistens unangemeldet. Er setzte sich für die gesellschaftliche Anerkennung der Soldaten ein, forderte besseren Schutz bei Einsätzen und kümmerte sich um verletzte und traumatisierte Soldaten sowie um die Familien von getöteten Soldaten.
Das verschaffte ihm viel Respekt in der Bundeswehr – und beim Abschied dankten es ihm nicht zuletzt die anwesenden Soldaten mit langem Beifall, weit über Höflichkeitsapplaus hinaus. Reinhold Robbe blieb ostfriesisch-gelassen: „Ich melde mich ab.“
Der Beitrag wurde am Samstag, den 22. Mai 2010 um 18:06 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
Eine Reaktion zu “Wehrbeauftragter Robbe: Abschied auf Augenhöhe”
Sehr gut geschrieben!
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