Es kommen weniger Kinder zur Welt, die Menschen werden älter, die Bevölkerungszahl sinkt. Diese unerfreuliche Tatsache firmiert unter dem Namen Demografischer Wandel. So richtig ernst genommen wird er noch nicht, obwohl lange bekannt ist, dass da etwas auf uns zurollt. Es ist schon „30 Jahre nach zwölf“, sagt ein führender Bevölkerungs-Wissenschaftler.
Gerade auf dem Lande wirkt sich verstärkt ab 2015 der Wandel aus. Erste Zeichen sind da. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Grundschule Ditzum schließen muss, wenn sich die Gemeinde nicht bald etwas einfallen lässt. Und eine denkbare Gesamtschule in der Stadt Leer würde die Haupt- und Realschule Jemgum gefährden.
Junge Leute wandern ab, Kinder bleiben aus, keiner kommt hinzu – selbst leere Dörfer sind keine Hirngespinste. Viele Dörfer sind schon heute reine Schlaforte. Kneipen sind tot, die Kirche streicht Pastorenstellen, mit Landärzten sieht es nicht rosig aus, Läden fehlen, Häuser stehen leer, die Abhängigkeit vom Auto wächst.
Vereine haben längst Nachwuchsprobleme. TuS Weener, Teutonia Stapelmoor, TuS Holthusen und Heidjer SV schließen ihre Jugendmannschaften nicht deshalb zusammen, weil sie sich so gern mögen. Nein, der Selbsterhaltungstrieb leitet sie – und das hat Vorbildcharakter. Denn Demografischer Wandel bedeutet nicht, dass Dörfer und Kleinstädte sich ihrem Schicksal ergeben. Der Landkreis Leer beschäftigt sogar eine Demografie-Beauftragte, die Kommunalpolitiker, Unternehmer, Vereine und Verbände informiert und Konzepte entwirft, wie der Wandel zu meistern ist.
In einigen Bundesländern tagen Dorfkonferenzen, um ihre Sache selbst in Hand zu nehmen. Sie besinnen sich darauf, dass es früher selbstverständlich war, sich privat gegenseitig zu helfen, zum Beispiel beim Hausbau, wie es im Rheiderland ja noch oft anzutreffen ist. Das könnte aufs Dorf übertragen werden – so beim Bau von Feuerwehr- und Dorfhäusern oder von Radwegen, wie es die Gemeinde Uplengen seit Jahren praktiziert. Nachbarschaftsläden, die ehrenamtlich geführt werden, um Alte oder Familien ohne Zweitwagen zu versorgen. Tauschbörsen, die es hier bereits gibt, könnten helfen, nach dem Motto „Tausche Rasenmähen gegen Marmeladekochen“.
Es ist viel Holz, das zu bearbeiten ist. Gelingt es, überleben die Dörfer. Anders gesagt: Dann hat das Rheiderland eine Zukunft.
Der Beitrag wurde am Freitag, den 28. Mai 2010 um 18:57 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
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