Wo Politik auf Wirklichkeit trifft – das geschieht nicht in einer Talkshow, wie uns das Fernsehen jeden Mittwochabend weismachen will. Nein, es geschieht mitten unter uns, in Ostfriesland. Zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt.
Und siehe da: Trotz globaler Finanzkrise, trotz lahmer Bundesregierung, trotz Rücktritte der Kochs und Köhlers und wer da noch kommen mag – der Arbeitsmarkt lebt. Man muss gar nicht so alt sein, um zu ahnen, wie viele Menschen früher hier arbeitslos wären in einer Finanz- und Wirtschaftskrise, wie wir sie seit fast zwei Jahren erleben. 25 Prozent, 30 Prozent, sogar mehr ? Wir erinnern uns an lange Schlangen von Arbeitslosen vor der Stempelbude. Als alle ein Girokonto bekamen, blieben sie unsichtbar, waren aber da.
Heute sieht es besser aus. Im Kreis Leer sind 8,1 Prozent als arbeitslos registriert – weniger als ein Jahr zuvor. Jeder Arbeitslose ist einer zu viel, aber im Vergleich mutet es wie ein Wunder an. Natürlich ist es keines, sondern hier trifft Politik auf Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit hat Gründe. So gehört der Kreis Leer zu den Globalisierungsgewinnern. Ein Beleg dafür ist die Reedereiwirtschaft in Leer, die jetzt der Krise trotzen kann, weil die meisten ihrer Unternehmen vorher klug gehandelt und ausreichend Speck angesetzt haben, um magere Jahre zu überstehen. Von der Globalisierung profitiert auch die ostfriesische Hafenwirtschaft.
Ein starker Jobmotor ist die Windenergie. Die damalige Bundesregierung Schröder/Fischer verlieh dem Wind kräftige Flügel mit dem Gesetz über die Förderung der Erneuerbaren Energie. Für Ostfriesland und für die ganze Republik ist dieses Gesetz, durchgesetzt gegen massiven Widerstand, ein Glücksfall. Es sorgt bei uns für eine neue Industrie. Die saubere Energie für Deutschland kommt immer mehr von der Küste und von hoher See und kann in der Menge nur hier produziert werden. Dieser industrielle Wandel schafft bei uns Tausende von Jobs. Dafür muss die Region dann auch in Kauf nehmen, dass ein paar Leitungen verbuddelt werden und der Strom umgespannt werden muss. Das Gold Ostfrieslands muss nun mal ins Ruhrgebiet und dorthin transportiert werden, wo die Massen leben.
Damit es nicht ganz untergeht: Es gibt noch einen Grund, warum Arbeitslosigkeit abnimmt, warum Langzeitarbeitslose und Problemgruppen wie Ältere und Jüngere eher einen Job finden als früher. Es ist, bei aller berechtigten Kritik, die Agenda 2010. Auch dort trifft Politik auf Wirklichkeit.
Der Beitrag wurde am Freitag, den 4. Juni 2010 um 18:06 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
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