Ein gebürtiger Rheiderländer sprach vor einer Woche ein paar Worte zur Eröffnung der Sommerausstellung in der Kunsthalle Emden. Genau genommen waren es sogar zwei, aber der eine, Reinhold Robbe, tut hier nichts zur Sache. Der andere, Professor Dr. Jan Hensmann aus Münster, aufgewachsen in Möhlenwarf als Sohn des früheren Pastors Diedrich Hensmann, stellte ganz begeistert das neue Logo vor, das ein Designer aus Berlin für die Kunsthalle entworfen hatte. Den Gästen gefiel das neue Aushängeschild des Museums. Hensmann fügte noch hinzu, man habe es für schlappe 50.000 Euro gekauft, sozusagen ein Schnäppchen.
Hensmann kann froh sein, dass er seine Präsentation nicht in Leer machen musste. Überlebt hätte er es, aber vermutlich nur knapp. Denn wie auch bei verschiedenen anderen Themen ist man in der Kreisstadt auf Krawall gebürstet. Da macht ein Logo für die Stadt keine Ausnahme. Was sollen wir damit, wir haben ja unser Stadtwappen, posaunen die Gegner – als ob das eine etwas mit dem anderen zu tun hätte. Ein Logo gehört längst zu einem modernen Erscheinungsbild einer Kommune und einer Firma, wie zum Beispiel das RZ zur Rheiderland-Zeitung. Der Landkreis Leer zeigt sich schon seit rund zehn Jahren auf Briefen, im Internet und bei öffentlichen Anlässen im einheitlichen Gewand. Es weist den Landkreis ähnlich einem Passfoto als unverkennbar aus – bestehend aus Schrift- und Bildzeichen: Der grüne Kreis symbolisiert das Kreisgebiet, blaue Linien stehen für Ems und Leda, ein großes L für Landkreis und Leer. Das Logo hat das alte Wappen nicht verdrängt, das nach wie vor auf Urkunden und bei feierlichen Anlässen verwendet wird.
So ähnlich mag es sich auch Leers Bürgermeister Kellner vorgestellt haben. Aber ihm unterlief eine Kommunikations-Panne. Jedenfalls verstanden einflussreiche Leute aus Heimatverein, Politik und Wirtschaft ihn so, dass er das Stadtwappen ins Archiv verbannen wollte. Damit nicht genug: Kellner nannte höchst missverständliche Zahlen für die Kosten, mittlerweile schweigt er darüber ganz. Das Resultat: In Leer steigen viele Menschen auf die Barrikaden, in der Stadt kleben Zettel gegen ein Logo. Ob etwas draus wird, steht in den Sternen.
Davon geht die Welt nicht unter. Aber ist die krasse Ablehnung klug? Wir wollen hier gar nicht das „VW im Kreis“ für Volkswagen oder das Rauten-W für Werder Bremen ins Feld führen. Aber gerade Leer weiß doch, wie wichtig ein Zeichen der Wiedererkennung ist. Wir erinnern nur an das Logo für die Ostfriesland-Schau.
Der Beitrag wurde am Samstag, den 12. Juni 2010 um 19:39 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
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