Kindergarten, Schule und Hochschule dienen den Regierungen seit Jahrzehnten als Steinbruch der Finanzpolitik. Obwohl sie anders reden. Jede Wette: In den nächsten Wochen und Monaten werden wir wieder erleben, was die Sonntagsreden wert sind, in denen vom absoluten Vorrang für Bildung schwadroniert wird: Nichts.
Dabei ist mittlerweile fast dem Letzten im Lande klar, dass wir den Wohlstand auf Dauer nur sichern, wenn auch die letzte Gehirnzelle durch Lernen aktiviert wird. Unstrittig ist, dass damit schon im Kindergarten begonnen werden muss. Besonders bei Kindern, die von ihren Eltern im Zweifel eher nicht in den Kindergarten geschickt werden und die sich später in der Schule wenig um sie kümmern. Ob der Staat will oder nicht, ob wir wollen oder nicht: Es bleibt keine andere Wahl, als für Bildung viel Geld in die Hand zu nehmen. Dazu gehören, um nur einige Beispiele zu nennen: Kostenloser Kindergartenbesuch, Ganztagsschulen sowie mehr und anders ausgebildetes Lehr- und Hilfspersonal.
Das ist teuer – und deshalb schwierig. Bei sinkenden Einnahmen geht es nämlich zu Lasten anderer Dinge. Dafür fehlt Politikern häufig der Mut, weil es immer mit Ärger verbunden ist, wenn sie Liebgewordenes streichen müssen. Die niedersächsische Landesregierung hat diese Woche schon mal einen Versuchsballon gestartet, wie es ankommt bei den Menschen, wenn sie im nächsten Schuljahr an die 2000 Lehrer ein halbes Jahr später einstellt, als diese an den Schulen gebraucht werden.
Lehrergewerkschaften und Opposition protestieren. Aber das dürfte die Regierung wenig beeindrucken. Das geschieht erst, wenn Eltern wieder auf die Straße gehen. Wundern dürfte sich darüber niemand. Denn die Lage wird sich dramatisch verschlechtern, wenn nicht mindestens die ausscheidenden Lehrer sofort ersetzt werden. Schon heute fallen viele Stunden aus, nicht zuletzt an Berufsschulen und Gymnasien.
Ohnehin präsentiert jeder Kultusminister seit eh und je dem Publikum ganz unverfroren eine Mogelpackung. Darauf steht zum Beispiel „100 Prozent Lehrerversorgung“. Diese 100 Prozent werden aber nur erreicht, wenn alle Lehrer an Bord sind. Krankheit, Fortbildung oder Klassenfahrten sind in der Zahl nicht berücksichtigt. Auf deutsch: Wo 100 Prozent draufsteht, ist selten 100 Prozent drin. An den meisten Tagen fällt regulärer Unterricht aus.
Der Beitrag wurde am Samstag, den 19. Juni 2010 um 14:27 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Politik abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
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