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Konflikt in Windkraftfirma: Arbeiter gegen Arbeiter

Die alten Schlachtordnungen stimmen nicht mehr. Am 1. Mai gingen Milchbauern und Gewerkschafter in Emden Hand in Hand auf die Straße, in diesen Tagen demonstrierten dort 350 Mitarbeiter des Windkraftanlagenherstellers Bard Energy gegen die IG Metall. Ein spektakulärer Vorgang: Arbeiter laufen Sturm gegen eine klassische Arbeitervertretung.

Vollends durcheinander geraten sind die Schlachtordnungen dadurch, dass Bard die Arbeitsniederlegung seiner Mitarbeiter fördert und bezahlt. Der Lohn für ausgefallene Stunden lief weiter. Das hat einen Beigeschmack - zumindest schmälert es die beabsichtigte Wirkung. Wie gut hätten die Demonstranten erst dagestanden, wenn sie nach Feierabend auf eigene Kosten die IG Metall ausgepfiffen hätten.

Hintergrund des Spektakels sind Vorwürfe der IG Metall gegen Bard, die Firma gefährde die Gesundheit von Mitarbeitern mit einem neuen Härtemittel für Epoxidharze in der Windmühlenflügel-Produktion. Das Mittel gilt als schädlich für die Atemwege. Bard kläre die Mitarbeiter nicht genügend über Schutzmöglichkeiten auf und tue zu wenig für den Arbeitnehmerschutz. Jedenfalls hätten Mitarbeiter über Atembeschwerden, Nasenbluten, Juckreiz und Allergien geklagt, sagt die IG Metall, der außerdem sauer aufstößt, dass Leiharbeiter kaum über Schutzmöglichkeiten informiert worden seien.

Der Betriebsratsvorsitzer und die Firma weisen die Vorwürfe als falsch zurück. Sie sind empört, zumal sich bereits Kunden irritiert gezeigt hätten über die vorgeblichen Missstände. Die Firmenleitung nahm es zum Anlass, den Verlust von Arbeitsplätzen zu beschwören. Das gab den Anstoß zur Demo.

Die im Wortsinne verrückten Zustände bei Bard deuten auf schwere Unstimmigkeiten zwischen der IG Metall, die nach eigener Angabe eine dreistellige Mitgliederzahl unter den 700 Bard-Beschäftigten zählt, und der Firmenleitung hin. Sie könnten Bard schlecht bekommen. Denn die Windenergie-Branche gilt als saubere Industrie – dieses Image nähme Schaden, wenn die sauberen Mühlenflügel schmutzig hergestellt würden, sprich: zu Lasten der Gesundheit von Arbeitern.

Die Sache lässt sich eigentlich leicht klären: Gewerbeaufsichts- und Gesundheitsamt brauchten nur zu untersuchen, ob Bard gegen das Arbeitsschutzgesetz verstößt. Sollte das der Fall sein, muss Bard die Missstände schleunigst abstellen, auch Sanktionen wären fällig. Sind die Vorwürfe falsch, bekommt die IG Metall ein Problem.

Bei den Auseinandersetzungen geht es natürlich auch um macht und Einfluss und Mitbestimmung. Andererseits: Ob eine Firma klug handelt, Arbeitnehmer mit drohendem Jobverlust zu verunsichern, sie mit finanzieller Unterstützung gegen die IG Metall zu positionieren und die Spaltung der Belegschaft zu riskieren; oder ob Arbeitnehmer sich eine Demo gegen die Gewerkschaft von der Firma bezahlen lassen sollten – das sind spannende Fragen. Auf jeden Fall schadet der Konflikt, wer immer ihn letztlich verantwortet, dem Betriebsfrieden und damit dem Unternehmen. Gefragt sind jetzt besonnene Köpfe.

 

Der Beitrag wurde am Freitag, den 9. Juli 2010 um 11:31 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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