Unseren Betrieben geht langsam, aber sicher der Nachwuchs aus – jedenfalls wächst er nicht mehr so nach, wie es nötig ist. Lehrlingen und Fachkräften werden rote Teppiche ausgelegt, weil sie hier und da schon knapp sind. Der Verein Wachstumsregion Ems-Achse, in dem sich Landkreise, Kommunen und Unternehmen entlang der Ems zwischen Bentheim und Nordsee zusammengetan haben, spürt den bedrohlichen Trend und steuert gegen.
Sie wirbt die Ems-Achse bei Hochschulabsolventen und Fachkräften. Die Kampagnen heißen „Beste Köpfe - beste Chancen“ und „Ems-Achse mobil“, und in einer Datenbank sollen die Betriebe ihre offenen Stellen anbieten. Damit das Ganze auch klappt, hat die Ems-Achse sogar eigens einen Mann dafür eingestellt. Der Staat schießt großzügig Geld zu.
Die Vorzüge unserer Region herauszustreichen, ist die eine Aufgabe. Die weitaus schwierigere bürdet der demographische Wandel, also die alternde Gesellschaft, den Betrieben auf, gerade den kleinen und mittleren. Denn es wird immer schwerer werden, den Personalbedarf mit jungen Leuten zu decken – einfach weil es zu wenige geben wird. Nachwuchs wird zur knappen Ware und damit teuer, und womöglich kündigt er nach kurzer Zeit, weil ein besseres Angebot lockt.
Für die Praxis bedeutet das nichts anderes, als alles dafür zu tun, die Mitarbeiter so lange wie möglich im Betrieb zu halten – auch wenn sie älter werden. Mitarbeiter mit 50 abschieben in den Vorruhestand funktioniert nicht mehr. Sie werden endlich zum wertvollen Produktionsfaktor. Firmen werden es sich kaum noch erlauben können, die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern zu verschleißen. Die Chefs müssen sich um Gesundheits-Management kümmern und Arbeitsabläufe auf Ältere abstimmen, und sie müssen Arbeitszeiten anbieten, die Älteren und nicht zuletzt Frauen mit Kindern angemessen sind.
Weiterbildung steht oben auf der Tagesordnung. Eine der schwierigsten Aufgaben wird sein, Wissen in der Firma zu halten und neues in die Köpfe der Älteren zu bringen – denn der bisher übliche Weg, dass junge Mitarbeiter neues Wissen aus Berufsschulen und Hochschulen mitbringen, wird für manche Unternehmen verbaut sein. Das Beruhigende: Ältere sind nicht weniger leistungsfähig als jüngere. Sie haben nur andere Stärken, und sie lernen anders. Mit älterer Belegschaft zu wirtschaften und gleichzeitig innovativ zu sein heißt die Herausforderung der nächsten zehn Jahre. Nur eine Firma, die sich rechtzeitig darauf einstellt und attraktiv als Arbeitgeber bleibt oder wird, meistert den demographischen Wandel.
Der Beitrag wurde am Samstag, den 24. Juli 2010 um 13:02 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Wirtschaft abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
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